Konsekutivdolmetschen – Besonderheiten und Unterschiede zu anderen Dolmetschformen
Anders als der Simultandolmetscher verfügt der Konsekutivdolmetscher über einen gewissen Zeitpuffer für alle erforderlichen kognitiven Operationen (Dekodieren des Ausgangstextes, eigentliches Übertragen und Kodieren des Textes in der Zielsprache). Dieser Puffer ist allerdings recht knapp bemessen.
Zugleich wird die Aufgabe des Dolmetschers beim Konsekutivdolmetschen durch einen weiteren Faktor etwas erleichtert: In der Regel setzt der Sprecher Pausen zwischen inhaltlich und syntaktisch relativ geschlossenen Redeabschnitten. Dadurch muss der Dolmetscher praktisch nicht „vorauseilend“ arbeiten, also übersetzen und zugleich die inhaltliche Entwicklung und den Satzbau um einige Sekunden vorwegnehmen. Das ist typisch für das Dolmetschen bei Pressekonferenzen, Briefings und Vorlesungen, bei den Erläuterungen eines Fremdenführers oder bei Redebeiträgen vor Gericht.
In der Praxis hängt jedoch alles von der Situation und von der Sprechmotorik des Redners selbst ab.
In diesem Fall sind die Grenzen zwischen Simultandolmetschen und Konsekutivdolmetschen eher fließend. In anderen Fällen vergisst der Sprecher, mitgerissen von seinem Thema (oder aus Aufregung), schlicht, rechtzeitig innezuhalten, und der Redeabschnitt wächst in der schriftlichen Entsprechung zu einem beachtlichen Absatz an. Dann muss das Gesagte in gewissem Umfang schriftlich festgehalten werden, besonders wenn die Rede wichtige Namen, Zahlen und andere Daten enthält. Und schließlich kommt es beim Konsekutivdolmetschen ebenso wie beim Simultandolmetschen nicht nur auf die Beherrschung der Mutter- und der Fremdsprache an, sondern auch auf die Kenntnis der idiomatischen Schicht beider Sprachen sowie des Kontextes und der Thematik, in denen die Kommunikation stattfindet.
Wie bereits deutlich geworden ist, kommt das Konsekutivdolmetschen bei Veranstaltungen mit einer überschaubaren Teilnehmerzahl zum Einsatz. Seminare, Podiumsdiskussionen, Gastvorlesungen, Messen und Führungen erfordern keine Simultandolmetscher und damit auch keinen aufwendigen technischen Aufbau mit Kabinen, Geräten, Kopfhörerausgabe und Ähnlichem. Das Maximum im Arsenal des Dolmetschers ist in diesem Fall ein Notizblock und ein Stift.
Mobilität und der Verzicht auf technische Ausstattung sind ein spürbarer Vorteil bei der Organisation von Konsekutivdolmetschen.