Simultandolmetschen: Besonderheiten und Anforderungen an den Dolmetscher
Die offizielle Geschichte des Simultandolmetschens reicht nicht länger als ein Jahrhundert zurück.
In Russland kam es in den 1920er-Jahren erstmals zum Einsatz. Breite Anwendung fand diese Form der Textübertragung jedoch erst in den 1940er-Jahren: mit den Nürnberger Prozessen und der Gründung der größten internationalen Organisation, der UNO. Gerade auf diesem führenden internationalen Forum wurde der wichtigste Vorteil dieser Dolmetschart gebührend gewürdigt: die Zeitersparnis. Seither gehört der Einsatz von Simultandolmetschern zur gängigen Praxis bei Veranstaltungen mit zahlreichen Rednern und Zuhörern, die verschiedene Muttersprachen sprechen.
Varianten des Simultandolmetschens
Üblicherweise unterscheidet man drei Varianten des Simultandolmetschens:
Anforderungen an den Simultandolmetscher
Letzteres ist besonders wichtig, wenn die Rede des Sprechers reich an idiomatischen Wendungen ist (das bekannteste und anschaulichste Beispiel sind die Auftritte des sowjetischen Staatsführers N. S. Chruschtschow). Die Aufgabe wird noch schwieriger, wenn das Sprechtempo des Redners überdurchschnittlich hoch ist. Deshalb muss der Simultandolmetscher in der Regel „vorausarbeiten“ und im Kopf ein Wahrscheinlichkeitsmodell des Redeaufbaus entwickeln, das sich am Kontext der Situation und an der vom Redner verbalisierten Botschaft orientiert.
Die Intensität und Vielschichtigkeit des Prozesses verlangen vom Simultandolmetscher nicht nur ein hohes intellektuelles Niveau, sondern auch grundlegende geistige und körperliche Ausdauer. Nicht zufällig werden für das Simultandolmetschen mindestens zwei Spezialisten eingesetzt, die einander abwechseln, wobei ein Einsatzabschnitt pro Person eine halbe Stunde nicht überschreiten sollte.
Auch die Organisation des Arbeitsplatzes eines Simultandolmetschers hat ihre Besonderheiten: Dazu gehören eine schallisolierte Kabine und Kopfhörer, die auch an Zuhörer ausgegeben werden, die die Ausgangssprache nicht beherrschen. Über die Kopfhörer hört der Dolmetscher ausschließlich die Rede des Redners und kann sich so maximal auf die Übertragung konzentrieren. Dank des Einsatzes von Simultandolmetschern wird jede Rede ohne Unterbrechungen gehalten, wodurch sich die Dauer der gesamten Veranstaltung deutlich (etwa um die Hälfte) verkürzen lässt.
Zum Schluss möchten wir noch einen nicht unwichtigen Punkt anmerken. Bei der Organisation von Veranstaltungen mit wenigen Teilnehmern wenden sich die Veranstalter häufig an ein Übersetzungsbüro und fragen Simultandolmetscher an.
Das liegt oft daran, dass die Besonderheiten der Dolmetscharbeit nicht bekannt sind: Im Gespräch stellt sich nämlich heraus, dass für die betreffende Veranstaltung Dolmetscher für Konsekutivdolmetschen benötigt werden, ohne Kabine und weiteren organisatorischen Aufwand. Deshalb empfiehlt es sich, alle Fragen rund um das Dolmetschen frühzeitig mit den Fachleuten des Büros zu besprechen. Unsere Mitarbeiter geben Ihnen gerne umfassend Auskunft.